Schwere Zeiten für die Autoindustrie

Mit einem Kommentar von

Katja Hanf

Steuerberaterin

Sie waren immer der Fels in der Brandung: Die großen Unternehmen der Automobilindustrie konnten in den vergangenen Jahren meist ordentliche Zuwächse verbuchen. So stiegen die Erlöse der Hersteller im Geschäftsjahr 2023 um 10,7 Prozent, im Jahr 2022 um 16,9 Prozent und im Jahr 2021 um 6,3 Prozent. Doch die Siegesserie ist nun gebrochen: 2024 mussten die deutschen Produzenten der Branche, zu denen unter anderem Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW, aber auch Nutzfahrzeughersteller wie Daimler Trucks zählen, ein Minus verbuchen.

Insgesamt sanken ihre Umsätze um drei Prozent. Lediglich der VW-Konzern und Lkw-Riese Traton konnten 2024 ein Umsatzplus vermelden. So stiegen die Erlöse von Platzhirsch Volkswagen – seit 2007 unangefochten an der Spitze der Top-500 – im vergangenen Geschäftsjahr um 0,7 Prozent auf 324,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor hatte VW um 15,5 Prozent, davor um 11,5 Prozent zugelegt. Das Umsatzplus verdankt Volkswagen auch der positiven Entwicklung im Konzernbereich Finanzdienstleistungen. Beim Fahrzeugabsatz mussten die Wolfsburger dagegen im vergangenen Jahr einen Rückgang um 3,5 Prozent verzeichnen. Verkauft wurden rund neun Millionen Fahrzeuge. Der Umsatz des Konzernbereichs Automobile lag mit 265,9 Milliarden Euro leicht unter Vorjahresniveau. Positiv hob der Autobauer den deutlichen Anstieg des Auftragseingangs für vollelektrische Fahrzeuge in Westeuropa um 88 Prozent hervor.

Brisant ist, dass die einst so exportstarken Marken zuletzt gerade im Ausland nicht mehr so gefragt waren. Bei den drei großen deutschen Autoherstellern zeigt sich insgesamt: Während die Umsätze im Inland mit 0,4 Prozent immerhin leicht positiv waren, sanken sie im Ausland um 3,6 Prozent. Bedenklich deshalb, weil die drei Autobauer nur rund 16 Prozent ihrer Erlöse im Inland generieren. Es ist vor allem der chinesische Markt, einst Erfolgsgarant der Branche, der sich nun gegen die deutschen Hersteller wendet. Statt auf VW, Mercedes und BMW setzt die chinesische Kundschaft jetzt vermehrt auf einheimische Elektrofahrzeuge. Ein Wandel, der durch einen intensiven Preiskampf und die rasante Entwicklung chinesischer E-Auto-Technologien noch verstärkt wird.

Doch nicht nur die Autobauer leiden. Bei den Zulieferern sieht es nicht besser aus: Hier stand gar ein Minus von 5,2 Prozent zu Buche. Zum Vergleich: 2023 waren es plus 2,9 Prozent gewesen, 2022 plus 14,3 Prozent. Umsatzrückgänge verbuchten 18 der Top-500-Zulieferer. ZF Friedrichshafen und Friedrich Boysen verloren sogar zweistellig. Mit Hella, Kirchhoff, Stabilus und Schaeffler konnten nur vier Lieferanten überhaupt positive Umsatzentwicklungen ausweisen. Und bei Schaeffler sind die plus 11,5 Prozent auf die Integration von Vitesco zurückzuführen. Im Herbst 2021 hatte Konkurrent Continental die Antriebssparte unter der Marke Vitesco abgespalten und an die Börse gebracht. Die Unabhängigkeit währte nur bis zum Frühjahr 2024, als Schaeffler zuschnappte.

Die Belastung der Automobilbranche zeigt sich auch im anhaltenden Stimmungstief. So fiel der Geschäftsklimaindex der Branche im Juni zum dritten Mal in Folge leicht, teilte das Münchner ifo Institut mit. Der Index sank von minus 31,7 im Mai auf nun minus 32,2 Punkte. „Die unsichere Situation im Welthandel trifft auf ohnehin schon verschärfte Bedingungen auf den weltweiten Absatzmärkten“, sagte ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl. Signale für Besserung aus dem Ausland seien derzeit noch zu vage. Neben den Auswirkungen der Coronapandemie seien es insbesondere der anhaltende Chipmangel und geopolitische Spannungen, die das Geschäftsklima belasten.

BANSBACH kommentiert

Schwere Zeiten für die Autoindustrie – aber warum? Und was sind die Folgen?

Die Folgen, die diese „schweren Zeiten“ für die Autoindustrie mit sich bringen, sind leicht abzusehen und wirken bereits schwer. Denn rückgängige Gewinne bedeuten für große Unternehmen vor allem eines: Stellenabbau.

Autohersteller gehören in Deutschland zu den größten Arbeitgebern. Allein der VW-Konzern beschäftigt knapp 240.000 Mitarbeitende. Doch nicht nur die im Artikel vorgelegten Zahlen, sondern auch die dazugehörigen Reaktionen der Konzerne zeigen, dass die Verluste schmerzen: Autobauer und Zulieferer gleichermaßen entlassen zehntausende Mitarbeitende. Bei VW beispielsweise sollen bis zu 35.000 Stellen abgebaut werden, um Kosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Die Gründe für die anhaltenden Einbußen sind hingegen komplexer.

Im vorliegenden Artikel wird von den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Autoindustrie gesprochen. Diese Auswirkungen stellen sich aber anders dar, als vermutet. Denn nach der Corona-Pandemie erlebte die Autoindustrie zunächst einen trügerischen Boom: Elektroauto- und Abwrackprämien brachten Käufer dazu, ihre Ersparnisse aus Corona-Zeiten in neue Fahrzeuge zu investieren. Unternehmen handelten ähnlich und stellten ihre Dienstwagenflotten mit Hybrid- oder Elektrofahrzeugen neu auf. So erzielte die Branche unnachhaltige Gewinne und im Anschluss an ein ungewöhnliches Hoch verstärkte sich der Eindruck, dass die Autoindustrie schwächelt, weiter.

Weitere Probleme zeigen sich im Auslandsmarkt, vor allem in China: Dort gewinnen lokale Hersteller immer mehr an Boden. So sehr sogar, dass beispielsweise Volkswagen in diesem Jahr beschlossen hat, das erste Mal eines seiner Werke in der Volksrepublik zu schließen.

Fahrzeuge asiatischer Hersteller – beispielsweise BYD aus China oder Hyundai aus Korea – drängen dazu mehr und mehr auf die hiesigen Märkte. Diese werden zwar im europäischen Raum zu höheren Preisen als in ihrer Heimat verkauft (die stärkere Kaufkraft in Europa ermöglicht bessere Margen), sind aber dennoch eine große Konkurrenz für deutsche Marken – vor allem im Bereich E-Mobilität. Die hohen Kosten für den Standort Deutschland konnten Autobauer bisher durch das Premium-Image ihrer Marken abfedern, doch auch in diesem Feld holen vermeintlich günstigere Hersteller weiter auf.

Ein Lichtblick am Horizont könnte der vor kurzem beschlossene Wachstumsbooster (auch Investitions-Sofortprogramm genannt) sein: Er ermöglicht eine beschleunigte Abschreibung von Elektrofahrzeugen (bis zu 75 Prozent der Anschaffungskosten bereits im Investitionsjahr) mit einer Bruttolistenpreisgrenze von 100.000 Euro (zuvor 70.000 Euro). Doch auch diese Maßnahme wird die schwächelnde Branche nicht davor bewahren, weitere Stellen abzubauen.

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