Rente erst mit 70: dieses deutsche Nachbarland hebt das Renteneintrittsalter an

Mit einem Kommentar von

Christian Roth

Steuerberater, Rechtsanwalt

Am Donnerstag verabschiedete das dänische Parlament ein Gesetz, nachdem das Rentenalter schrittweise auf 70 Jahren angehoben werden soll.

Dänemark wird sein Renteneintrittsalter bis 2040 auf 70 Jahre anheben und damit das Höchste in Europa erreichen. Damit wird das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt, was die Gewerkschaften auf den Plan gerufen hat. Andere Länder könnten dem dänischen Vorbild folgen, da die alternde Bevölkerung die öffentlichen Finanzen belastet.

Dänemark hat sein Renteneintrittsalter offiziell auf 70 Jahre angehoben — und andere Länder könnten diesem Beispiel folgen. Das dänische Parlament hat am Donnerstag ein Gesetz verabschiedet. Demnach wird das Rentenalter bis 2040 schrittweise auf 70 Jahre angehoben. Die Änderung gilt für alle, die nach dem 31. Dezember 1970 geboren sind.

Der Gesetzentwurf, der mit 81 Ja- und 21 Nein-Stimmen angenommen wurde, stellt eine der bedeutendsten Änderungen des gesetzlichen Rentenalters in Europa dar. Sie signalisiert auch eine breitere Veränderung in der Art und Weise, wie sich die Volkswirtschaften auf die alternde Bevölkerung und den wachsenden Druck auf die Finanzen vorbereiten.

Dänische Arbeitnehmer sind nicht von dem neuen Rentenalter begeistert

Der Schritt geht auf eine Wohlfahrtsvereinbarung aus dem Jahr 2006 zurück, die das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung koppelt. Menschen werden immer älter. Deswegen argumentiert die Regierung, dass eine Anhebung des Rentenalters notwendig sei, um das Rentensystem finanziell tragfähig zu halten.

„Im Jahr 2040 werden wir das Renteneintrittsalter von 69 auf 70 Jahre anheben, unter anderem, um künftigen Generationen einen angemessenen Wohlstand zu bieten“, sagte Ane Halsboe-Jørgensen, Dänemarks Arbeitsministerin, in einer Erklärung nach der Abstimmung.

Sie sagte, es sei das letzte Mal, dass ihre Partei für eine Erhöhung nach dem derzeitigen System gestimmt habe. Es sei ein gerechteres Modell erforderlich, welches die Unterschiede in der Länge der beruflichen Laufbahn und der Art der Tätigkeit berücksichtige.

Die Entscheidung hat den Zorn der Gewerkschaften und der Arbeitnehmer in körperlich anstrengenden Sektoren wie dem Baugewerbe und der Landwirtschaft auf sich gezogen.

Die größte dänische Gewerkschaft, 3F, hat argumentiert, dass die Politik Arbeitnehmer mit niedrigerem Einkommen unverhältnismäßig stark belasten wird. Sie erklärte, Umfragen hätten ergeben, dass drei Viertel ihrer Mitglieder bezweifelten, dass sie bis zum Alter von 70 Jahren arbeiten könnten.

Folgen jetzt andere Länder?

Die Rentenänderungen sind in ganz Europa zu einem Krisenherd geworden. Erst vor zwei Jahren hatte die Regierung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron das Rentenalter von 62 auf 64 Jahre angehoben. Danach erschütterten monatelange Massenproteste und Streiks das Land.

Da der demografische Druck weltweit zunimmt, könnte der dänische Schritt jedoch eine Vorreiterrolle spielen. Länder wie die Niederlande, das Vereinigte Königreich und Deutschland haben bereits geplant, das Renteneintrittsalter bis 2028 beziehungsweise 2031 auf 67 Jahre anzuheben.

Da die Lebenserwartung weiter steigt und die Geburtenraten sinken, muss ein nachhaltiges Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern angestrebt werden. Deswegen wird das Renteneintrittsalter nach Ansicht von Ökonomen und Forschern wahrscheinlich weiter nach hinten verschoben werden müssen.

2024 veröffentlichte das britische International Longevity Centre einen Bericht dazu. Darin prognostiziert es, dass Großbritannien das Renteneintrittsalter bis 2050 auf 71 Jahre anheben muss, um das Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Rentnern aufrechtzuerhalten.

Auch in den USA wurde das Renteneintrittsalter für volle Sozialversicherungsleistungen bereits von 65 auf 67 Jahre angehoben. Die Republikaner haben eine weitere Anhebung vorgeschlagen. US-Präsident Donald Trump sagte im Juni 2024 auf der Wahlkampftour, dass er „das Rentenalter nicht um einen Tag anheben“ werde.

In Deutschland wird das Rentenalter bis 2031 Stück für Stück auf 67 Jahre ansteigen.

BANSBACH kommentiert

2023 ging eine Studie eines Forschungsteams der Universitäten Barcelona und Mannheim durch die deutsche Presse. Die Wissenschaftler untersuchten, ob es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Sterblichkeit und Renteneintrittsalter gibt. Dabei konnten sie empirisch belegen, dass, wer später in Rente geht, auch eher stirbt. Konkret steige das Sterberisiko mit jedem Jahr, in dem länger gearbeitet wird, um 43 Prozent.

Allerdings gilt das nicht pauschal für alle untersuchten Personen. Betroffen sind vor allem Gruppen, die in Branchen mit einer sehr hohen Anzahl an Arbeitsunfällen tätig oder in Berufen mit hoher psychosozialer Belastung aktiv sind.

Die Forscher wiesen aber auch mit Blick auf weniger belastende Berufe darauf hin, dass längeres Arbeiten durchaus jung halten kann: die geistige Fitness bliebe erhalten und soziale Netzwerke würden gefördert. Das sei vor allem bei Jobs mit höherem Qualifikationsniveau der Fall, so die Wissenschaftler.

Aufgrund der Faktenlage bekräftigten sie, dass eine pauschale Erhöhung des Renteneintrittsalters die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ungleichheiten bei der Lebenserwartung verschärft. Sie empfehlen, eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters mit einer besseren Gesundheitsvorsorge zu verbinden.

Diese Gesundheitsvorsorge ist in der Politik zwar noch kein Thema. Jedoch hat die CDU in ihrem Wahlkampf eine Idee lanciert, die eine interessante Alternative zur pauschalen Erhöhung des Renteneintrittsalters sein könnte. Friedrich Merz hatte vor seinem Amtsantritt dafür geworben, dass alle, die länger arbeiten wollen, eine steuerliche Vergünstigung einstreichen können. Die Rede ist von der geplanten „Aktivrente“: Alle, die über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten wollen, sollen ihr Gehalt bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei bekommen. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hatte zuletzt klargestellt, dass die Aktivrente zusätzlich zur gesetzlichen Rente gezahlt wird und nicht deren Bezug voraussetzt.

Im Gegensatz zur pauschalen Rentenalterserhöhung hätten kritische Berufsgruppen mit der Aktivrente immer noch die Option, rechtzeitig aus dem Berufsleben auszutreten, um sich pflegen und erholen zu können. Ob sie tatsächlich kommt, bleibt abzuwarten. Die Studienlage der Wissenschaft jedenfalls deutet darauf hin, dass eine flexible Lösung einer pauschalen Rentenalter-Erhöhung vorzuziehen ist.

Doch was sagen eigentlich die Betroffenen selbst? Das Demographie Netzwerk e.V. (ddn) hat im letzten Herbst 2.505 Erwerbstätige dazu befragt, was sie zu einem längeren Erwerbsleben zu motivieren würde. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Mit 40,7 Prozent ist die freie Wahl der Arbeitszeit die wichtigste Veränderung, damit Erwerbstätige länger arbeiten wollen.
  • Dahinter kommt der Punkt Gehalt. 37,7 Prozent der Befragten erwarten im Gegenzug zum verlängerten Arbeiten einen Gehaltszuwachs.
  • Praktisch genauso stark fällt der Wunsch ins Gewicht, weniger gestresst oder körperlich belastet zu sein. 37,5 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus.
  • Auch die freie Wahl des Arbeitspensums fällt mit 35,8 Prozent deutlich ins Gewicht.

Das ddn fand außerdem in seiner Studie heraus, dass die Bedeutung des Gehalts im Lauf des Berufslebens schrumpft, dagegen steige das Bedürfnis nach Wertschätzung durch Vorgesetzte mit dem eigenen Alter an.

Bemerkenswert an der Studie ist auch, dass mehr als ein Fünftel der Befragten keinerlei Gründe sieht, um länger als gesetzlich vorgegeben zu arbeiten. Angemerkt werden sollte aber auch, dass ältere Personen (65+ Jahre) im Vergleich zu jüngeren Personen (18 – 29 Jahre) angaben, dass ihnen ihre Arbeit viel bedeute. Sie kommen gegenüber den Jüngeren auf einen Wert von 86,8 Prozent. In der Vergleichsgruppe sind es nur 62,8 Prozent.

Insgesamt sprechen die Ergebnisse der Studie dafür, dass Unternehmen Arbeit in Zukunft noch individueller und flexibler gestalten müssen, um ältere Mitarbeitende länger zu halten. Käme dann noch die Aktivrente dazu – die im Prinzip ebenfalls ein flexibles Arbeitsmarktinstrument ist – könnten Politik und Wirtschaft die individuellen Bedürfnisse ihrer Bürger bedienen.

Wussten Sie, lieber Leser, dass Sie Ihre Rente heute schon jeden Monat um 0,5 Prozent mit jedem Jahr aufbessern, in dem Sie weiterarbeiten? Das wären dann jährlich 6 Prozent. Gern erläutern wir Ihnen Ihre Vorteile genauer im Einzelgespräch. Denn wir sind nicht nur Ihre Experten für Steuerrecht, sondern auch für einen gelungenen Übergang von Arbeit auf Rente.

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