Bezahldienstleister PayPal drängt an die Ladenkasse

Mit einem Kommentar von

Anna Zeiler

Managerin Digitalisierung

Mit dem Handy zu bezahlen, indem eine hinterlegte Kredit- oder Debitkarte als verbundenes Zahlungsmittel genutzt wird, ist selbst im immer noch so bargeldaffinen Deutschland längst eine Selbstverständlichkeit.

Eine kurze Freischaltung an der Kasse und die Verbindung mit dem Kartenterminal des Geschäfts genügt, um die Ware zu bezahlen. In dieses Geschäft drängt nun auch der Bezahldienstleister PayPal, der sich bisher auf Online-Transaktionen beschränkt hatte und damit zu einem der bekanntesten Internet-Unternehmen weltweit wurde.

Doch bei einer bloßen Kopie der anderen Anbieter will es PayPal nicht belassen, denn die neue App des Dienstleisters bietet noch mehr – zum Beispiel eine Ratenkreditfunktion.

Bei einer Präsentation des neuen Geschäftsansatzes in dieser Woche in Hamburg betonte Florencia Solazzi, die Leiterin des PayPal-Consumergeschäfts in Deutschland, die Bedeutung dieses Schritts für ihr Unternehmen, das seinen Hauptsitz im kalifornischen San José hat. „Wir bringen PayPal in die Offline-Welt“, sagte sie – zwar werden immer mehr Einkäufe online abgewickelt, gleichwohl ist der Anteil in klassischen Ladengeschäften gerade bei größeren Anschaffungen immer noch wirtschaftlich bedeutend.

Und auch, wenn die Managerin diesen Schritt gern als zusätzliche Dienstleistung für den eigenen Kundenstamm verkaufen wollte – („Unsere Nutzerinnen und Nutzer wollen gern mehr mit uns zu tun haben“, sagte Solazzi.), stehen hinter dem neuen Angebot der Firma doch auch handfeste eigene wirtschaftliche Interessen, denn gerade die Ratenfinanzierung von Käufen ist ein lukratives Nebengeschäft, das online bereits gut funktioniert.

Die bloße Bezahlfunktion durch die Verbindung mit einem oder auch mehreren Konten, zwischen denen gewechselt werden kann, ist denkbar schnell eingerichtet. Je nach Handytyp wird das Gerät an der Ladenkasse entsperrt, die jeweilige Debit- oder Kreditkarte aktiviert und vom Kunden an das Lesegerät gehalten – schon wird der entsprechende Betrag abgebucht.

Um den Ablauf möglichst eindeutig zu gestalten, wird die ganze PayPal-App neu gestaltet, sodass dann auch die Online- und Offline-Einkäufe schnell zu sortieren sind. Die bekannten Funktionen wie das Senden von Geldbeträgen an andere Nutzer des Bezahldienstes oder das Teilen von Beträgen zum Beispiel nach einer Bezahlung der Rechnung im Restaurant bleiben erhalten. Ausgerollt wird hingegen die Funktion der Ratenzahlung.

Wer zum Beispiel den Kauf eines Sofas in einem Geschäft plant und dafür eine Finanzierung benötigt, kann sich über die PayPal-App künftig ziemlich schnell einen Kredit besorgen, Beträge zwischen 99 Euro und 10.000 Euro sind möglich. Nach der Beantragung wird ein schneller Bonitätscheck im Hintergrund durchgeführt; ist dieser erfolgreich, erstellt das System eine weitere Art Kreditkarte. Auf dieser ist dann für 48 Stunden der bewilligte Betrag hinterlegt. Im Möbelgeschäft kann dann ohne weitere Rücksprache mit dem Verkäufer der Betrag für das Sofa über die Karte abgebucht werden.

Kommt doch kein Kauf zustande, erlischt die Karte ohne Gebühren wieder. „Es entfallen also im Geschäft Gespräche über die Gewährung eines Kredits, der Händler selbst bekommt von der Ratenfinanzierung gar nichts mit“, erklärte Matthias Rosch, bei PayPal Deutschland für Finanzdienstleistungen zuständig, das Verfahren. Je nach Laufzeit des Kreditvertrags werden unterschiedliche Zinshöhen, die sich zudem auch an der allgemeinen Zinsbewegung im Markt orientieren, erhoben. Bei einer präsentierten Beispielrechnung betrug der Zinssatz knapp zwölf Prozent – da lohnt in jedem Fall der Vergleich mit anderen Kreditanbietern.

Interessant und vielleicht verführerisch für die Nutzer ist hier wohl vor allem die Geschwindigkeit der Bewilligung; zudem sind alle anfallenden Beträge sehr transparent aufgeschlüsselt. Wer das Geld vorfristig abbezahlen möchte, kann das jederzeit tun, weitere Kosten fallen dadurch nicht an. Zu einem dritten Feature konnten die PayPal-Verantwortlichen nur sagen, dass es kommen wird, aber nicht mit welchen Partnern und in welchem Rahmen. Sicher sei jedoch, dass es schon zum Start auch Cashback-Angebote geben wird.

Bestimmte Geschäfte oder Anbieter belohnen die Käufer dann mit kleinen Geldbeträgen, wenn man kontaktlos mit der PayPal-App bezahlt. Eine Art hinterlegtes Kundenbindungsprogramm also, das sich auf dem Kundenkonto nach und nach bemerkbar macht. Möglich sind alle genannten Transaktionen an Kassen, wo kostenlose Mastercard-Zahlungen akzeptiert werden. Deutschland sei von der US-Unternehmensleitung ausgesucht worden, weil es in seiner Struktur und wirtschaftlichen Bedeutung „ein wichtiger Markt für PayPal ist“, begründete Florencia Solazzi die Testperiode im größten Einwohnerland der EU.

Ob und wann das Verfahren auch auf andere Länder ausgerollt wird, sei noch offen – bezahlen kann man mit den üblichen Auslandsgebühren für Mastercard-Nutzungen aber auch jetzt schon mit der App außerhalb Deutschlands.

BANSBACH kommentiert

Laut Medienberichten hat der Münchner Flughafen den neuen Online-Bezahldienst des US-Konzerns PayPal in 41 Geschäften als erster Händler in Deutschland eingeführt. Kunden, die dort mit PayPal zahlen, finanzieren die USA. Würden sie auf Konkurrenten wie Apple, Google und Amazon ausweichen, hätte das auf diese Tatsache keinen Einfluss. Es sind und bleiben die US-Amerikaner, die den Markt der Online-Wallets beherrschen. Sie verdienen an Europa kräftig mit. Wie groß der Kuchen sowie der Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen sind, an denen sie teilhaben, verdeutlichen diese Wirtschaftszahlen:

  • An deutschen Einzelhandelskassen werden mehr als 495 Milliarden Euro Umsatz erzielt.
  • Laut einer aktuellen Studie des Handelsinstitutes EHI entscheiden sich 44 Prozent aller Kunden in Deutschland für eine Kartenzahlung.
  • 63,5 Prozent aller Umsätze im Einzelhandel werden nicht mehr bar bezahlt.
  • Knapp 13 Prozent aller nicht bar bezahlten Käufe im Handel wurden im letzten Jahr mit dem Mobiltelefon getätigt.

PayPal will in Deutschland zum Kundenmagneten für seinen Online-Bezahldienst an der Ladenkasse werden. Der Konzern ist den Deutschen so bekannt wie Amazon oder Meta. Eine weitere Studie des Handelsinstitutes EHI belegt, dass das Zahlungsmittel von PayPal im Jahr 2023 beim Online-Shopping das beliebteste der deutschen Konsumenten war.

Der Plan PayPals, nicht nur mit einer neuen Wallet, sondern auch mit einer Ratenbezahl-Funktion in den örtlichen Geschäften hierzulande zu punkten, könnte aufgehen. Laut Portal kreditvergleich.net kommen die Konsumentenkredite an Privathaushalte in Deutschland nämlich aktuell auf 7,78 Milliarden Euro.

Die genannten Wirtschaftskennzahlen sind auch europäischen Banken bewusst. Sie haben am 2. Juli 2024 einen Online-Bezahldienst namens „Wero“ an den Start gebracht. Hinter Wero steht die European Payments Initiative (EPI). Wer diese Lösung nutzen möchte, braucht ein Girokonto bei einer Bank, die Wero anbietet. Die Volksbanken Raiffeisenbanken, die Sparkassen-Finanzgruppe sowie die Deutsche Bank machen beispielsweise mit.

Ob Wero zum Liebling der Europäer wird, bleibt abzuwarten. Die Debatte am Finanzmarkt um den digitalen Euro zeigt, dass Banken das hohe Investitionsaufkommen noch scheuen.

Klar ist jetzt schon: wenn Banken künftig mit Firmen wie PayPal gleichziehen wollen, kommt es darauf an, dass sie den Konsumenten erreichen. Für die meisten Deutschen stehen Banken für Lohn- und Gehaltskonten, Finanzprodukte wie Anleihen und Fonds oder für Bargeldautomaten. Es braucht also einen kompletten Imagewandel.

Wirtschaftlich und politisch gesehen täte es Europa gut, mehr eigene Lösungen anzubieten. Den Banken bleibt zu wünschen, dass sie die Debatte um den digitalen Euro mit vielen eigenen Initiativen für Online-Bezahldienste verbinden. Ihr leicht angestaubtes Image könnte ihnen dabei sogar helfen: Wer mit seiner Mastercard oder seiner Kreditkarte zahlt, fühlt sich meistens gut geschützt vor Hacking-Attacken. Auch Onlinebanking haben Banken sicherheitstechnisch gut im Griff. Angesichts der Milliarden, die im Handel umgesetzt werden, lohnt es sich für sie, digitaler und beim europäischen Konsumenten präsenter zu werden.

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